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Unterwegs mit dem Trockenmauerexperten
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Unterwegs mit dem Trockenmauerexperten

Artikel von Wilhelm Meyer 15. November 2021 Oeffentlicher Anzeiger

„Die Teilnahme ist frei und kostet ein wenig Schweiß!“, hatte es in der Ankündigung geheißen. Mit einer Informationsveranstaltung in Odernheim begann die theoretische Einführung; nun ist das Projekt „Weinbergsmauern schätzen, schützen, sanieren“ zum praktischen Teil übergegangen. Frei kann das Projekt für die Teilnehmer sein, weil Stefan Hartmann und Dieter Gründonner vom Verein Dorfleben Odernheim und ihr Bürgerprojekt durch die lokale Aktionsgemeinschaft Soonwald-Nahe unterstützt werden. Schweiß kostet es, weil ordentliche Steinbrocken am Samstag zur ersten Praxisrunde auf die Teilnehmer warteten.


Im Theorieteil hatten die Odernheimer Wolfgang Wenghöfer bereits als im Trockenmauerbau erfahrenen Handwerker kennengelernt, nun also ging es an die praktische Umsetzung. Auch damit ließ Wenghöfer die Teilnehmer nicht allein. Im Vorfeld waren zunächst zwei größere Ausbrüche der Weinbergstrockenmauern am Stempelsberg mit schwererem Gerät durch Max Dilling von der Bannmühle freigeräumt worden. Damit konnte der Neuaufbau von Grund auf beginnen. In einigen Haufen war Material zum Aufbau der Trockenmauern beiseitegelegt.


Vom Fundament über die Fundamentsteine, Durchbinder, Hintermauerung bis zur Hinterfüllung mag die Theorie noch im Kopf gesteckt haben. Praktisch ist es auf jeden Fall, mit den größeren Steinen zu beginnen, das fordert die Standsicherheit. Es ist aber auch angenehm, allein schon, weil man sie dann nicht in die Höhe stemmen muss. Das mit dem Schweiß stimmte nämlich, und noch dazu bei herrlichem Frühnovemberwetter.


An Handlungsbedarf fehlt es bei Odernheims Weinbergsmauern nicht. Allein am Stempelsberg, beim Gang hoch zu den beiden Baustellen, die man für die erste Praxisrunde ausgewählt hatte, sind einige weitere kräftige Ausbrüche zu passieren. Hinzu kommen die Mauern, die schon bedenklich gewölbt sind. Zuständig sind eigentlich die jeweiligen Besitzer der Flächen oberhalb der Mauern, keineswegs immer die Gemeinde. Die hatte schon vor Jahren versucht, die jeweiligen Grundeigentümer anzumahnen – mit wenig Erfolg. Nun also nahmen es die Odernheimer in die Hand, sich praktisch kundig zu machen. Da gilt es, Gefühl für den richtigen Stein am richtigen Ort zu bekommen und sich in die Logik der Trockenmauern zu versetzen.
Der Bedarf in Odernheim ist nicht allein am Stempelsberg enorm. Vor allem sind es Mauern in den nicht mehr bewirtschafteten Teilen der ehemaligen Weinberge. Aber auch, wo noch Wein wächst, wie etwa am Disibodenberg, sehe es oft nicht viel besser aus, stellte Thomas Zenz, Betriebsleiter und Kellermeister des Weinguts Disibodenberg, ehemals Klostermühle, klar. Gern nutzte er die Gelegenheit, sich hier kundiger zu machen.

Nicht immer könne man an den Trockenmauern einen Neuaufbau schaffen. Aber auch bei zwischenzeitlichen Ausbesserungen müsse man schließlich wissen, wie so eine Mauer funktioniere, fand ein Teilnehmer. Etwa, dass man die Fugen nicht mit Lehm verstopfen dürfe. Sie müssen durchlässig bleiben, um keinen Staudruck zu bilden. Dann vor allem nämlich komme es zu den Auswölbungen und zum späteren Zusammenbruch.

Spannend wurde es auch manchmal, wenn man sich manch einen Stein genauer betrachtete. Da deutet eine Steinbearbeitung schon einmal auf seine Herkunft vom Disibodenberg hin. Ein reizendes versteinertes Stück Meeresufer hielt Katinka Peerenboom in der Hand. Das ist in Odernheim zwar nicht selten, aber selten so zierlich und hübsch.

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