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Ironische Wortakrobatik mit Schnipseln aus dem Alltag
Walter Jung (Admin)
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Ironische Wortakrobatik mit Schnipseln aus dem Alltag

Artikel von Wilhelm Meyer im Oeffentlichen Anzeiger vom 159.3.2019

Ironische Wortakrobatik mit Schnipseln aus dem Alltag

Daniel Wouters und Max Pothmann beeindruckten als Duo „Wort- und Tonschlag“ die Gäste der Kulturinitiative Odernheim

Wenn zu ihren monatlichen Veranstaltungen bekannte, berühmte oder in der Region beliebte Musiker kommen, geben die Macher der Kulturinitiative Odernheim (KinO) in ihrer Einladung stets den besonderen Hinweis, man möge doch frühzeitig erscheinen, wenn man sich einen Sitzplatz im Turbinensaal sichern möchte. Dieser Hinweis fehlte bei der Ankündigung von Daniel Wouters und Max Pothmann, dem Duo „Wort- und Tonschlag“ vom Niederrhein. Dennoch konnte Gerald Knöbel, einer der KinO-Initiatoren, eine beachtliche Zahl von überwiegend bekannten Besuchern begrüßen, die Interesse an dem neuen Programm hatten und bereit waren, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen.

Wouters und Pothmann sind bislang eben nicht aus Funk und Fernsehen bekannt, wenngleich das Internet mittlerweile Gelegenheit genug bietet, sich mit den meisten Künstlern vertraut zu machen. Um so gespannter durfte man also auf den Auftritt sein.

Die Art der Präsentation der beiden ist neu. Sie entspricht nicht dem, was man schon kennt. „Wir sinken das Licht“, kündigte Wortakrobat Pothmann das neue Programm der beiden an, ohne allzu viel zu verraten. Unter der Verwandlung von „Mord- und Totschlag“ zum Namen des Duos konnte man schließlich erahnen, dass „Sinken“ statt eines „Senkens“ zum Aktivposten wurde. Als jedoch der Text an die Reihe kam, der dem Programm seinen Namen gegeben hat, konnte man der Ich-Erfahrung weit eher folgen. In seiner Traum- und Wunschschichtung, die von so wunderbar eingebrachten Alltagsschnipseln wie den Namen von Friseurgeschäften konterkariert werden, verschwimmen die Fragen von Tun und Lassen. Dann erscheint der Titel als ein willkürlicher Textausriss. „Ich sinke, das Licht von oben wird schwächer“, heißt es da.

Liebesszene, Badevergnügen oder der sprichwörtliche Gang ins Wasser, all das zerfließt im Text. Eine Landschaft entsteht, „nur Wasser und Himmel ein Horizont dazwischen“, wie sie mit einem Strich auf einem Blatt Papier immer erkannt wird.

„Ich sinke das Wasser“, erhält plötzlich Sinn, ohne gleich auch verständlicher zu werden. Der Strubbelkopf der Frau, ist er das Dünengras, oder ist es andersherum? „Gräser wie eine Frisur vom Friseursalon Kopfsalat, Hair-genau, Kre-Hair-tiv“.

Vielschichtig, manchmal tiefsinnig, dann wieder flapsig, jedes Stück hat einen anderen Ton. Wird „Ich sinke das Wasser“ von wellenförmigen Klangteppichen untermalt, konterkariert Wouters die Beschreibung eines modernen Griechen im „Tod einer Pomeranze“ mit Tönen aus Lys Assias „Ein Schiff wird kommen“.

Einen schmalen Grat betont Pothmann. Den Grat zwischen Ernst und Ironie, Traum und Wirklichkeit, Mord und Wort. „Surreale Szenerien, tiefsinnige Ausflüge, aber auch unterhaltsame Geschichten fürs Herz“, all das hatten die beiden in ihrer Ankündigung versprochen. Und sie hielten ihr Versprechen und unterlegten das Ganze mit dem spitzen Unterton der Ironie.

Texte, die bei aller Künstlichkeit doch echten Erlebnissen zu entstammen scheinen, wechseln mit absolut künstlichen Gewächsen, die, wie Pothmann erläutert, aus zufälligen Zitaten einer Handvoll Bücher zusammen geschrieben wurden. Da kann dann aus einem technischen Sachbuch, einem Krimi und der Naturschilderung einer Zimmerpflanze etwas völlig Neues entstehen.

An Valentins Orchesterprobe fühlte man sich erinnert, als Pothmann von einem Text sprach, in dem ein Elefant vorkommt. Der sei nämlich entstanden, bevor er ein wenig später tatsächlich einen Elefanten in Afrika an einer befahrenen Straße gesehen hat.

„Im selben Moment, wo mir von dem Radfahrer gredt habn, ist einer komma“, heißt es bei Valentin. So ein riesiger Zufall war es bei Max Pothmann dann allerdings doch nicht.

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