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Blick zurück und in die Zukunft des Gotteshauses
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Blick zurück und in die Zukunft des Gotteshauses

Artikel von Wilhelm Meyer 08.06.2022 Oeffentlicher Anzeiger

Einzig das Wetter wollte nicht ganz mitspielen, bei der Neueinweihung der grunderneuerten Hildegardis-Kapelle am Rand des Disibodenbergs. Vielleicht sollten die Feiergäste aber auch merken, dass die Kapelle bei Regen auch dem ganz praktischen Bedürfnis nach Unterschlupf dienen kann.


Seit 25 Jahren steht sie am Rand der Klostermauern mit Blick ins Glantal und auf den Zusammenfluss von Nahe und Glan. Doch schon lang hatte sie nicht mehr im alten Glanz gestrahlt. Sie zumindest außen zu renovieren, hatte der Hildegardis-Freundeskreis Disibodenberg in Absprache mit Luise von Racknitz, der Vorsitzenden der Disibodenberger Scivias-Stiftung, schon beschlossen.


Dass sie nun jedoch innen und außen neu strahlt, ist vor allem Otmar Steeg aus Oberstreit zu verdanken. Er hat sich mit Energie für dieses Kleinod stark gemacht, mit angefasst und vor allem großzügige Spender von der Idee überzeugt. Ein kleines Wunder.


Kleines und großes Wunder


Mit einer ökumenischen Andacht, ganz wie es sich Ehrengard Freifrau von Racknitz gewünscht haben dürfte, wurde nun die Kapelle am Pfingstsonntag von den Staudernheimer Pfarrern beider Konfessionen, Ralf Anacker und Hans-Jürgen Eck, neu eingesegnet. Mit einem kleinen Fest hatte Bettina Dickes, die Vorsitzende des Freundeskreises, gerechnet. Es wurde etwas größer. Vor allem aber war es ein beachtlicher Blick in die neuere Geschichte des Disibodenbergs.


Deutlich wurde das auch im Rückblick, den Pfarrer Anacker auf die ehemalige Einweihung der Kapelle nahm. Anacker schaute auf dem Gruppenfoto des damaligen Zeitungsberichts, wer damals auch schon dabei war. Da war Ernst Marx, Pfarrer der protestantischen Kirche in Odernheim, Karl-Hubert Wickert, damaliger katholischer Pfarrer in Staudernheim, aber auch Anacker selbst in ganz jungen Jahren, Rolf Kehl, damals Kreisbeigeordneter, nun Staudernheimer Bürgermeister, vor allem jedoch Hans Bergs, der Architekt der Kapelle.


In ihrer Schilderung des „großen“ Wunders, nämlich, dass die Kapelle überhaupt hatte gebaut werden können, kam Luise Freifrau von Racknitz, Tochter von Ehrengard, darauf zurück. Nachdem ihre Mutter gemeinsam mit Hilda Koch, der Spenderin der Kapelle, die Pläne für sie soweit hatten reifen lassen, dass ein Bauantrag eingereicht werden konnte, kam „die Stunde des Herrn Hans-Gottfried Bergs, damals Leiter des Bauamtes der Kreisverwaltung. Dieser bekam die Anfrage der Stiftung bezüglich der Baumaßnahme auf den Tisch und war sofort Feuer und Flamme.“ Inspiriert vom Kirchenbau des Architekten Le Corbusier im französischen Ronchamp, „skizzierte er kurzerhand selbst einen Entwurf“, schilderte von Racknitz. „Bahnbrechend, polarisierend und noch nie da gewesen: Er sollte Wirklichkeit werden.“ Vor allem jedoch erinnerte von Racknitz an Hilda Koch, eine tapfere und strenggläubige Frau. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie als Reinigungskraft. Die Idee der Kapelle hatte sie mit der Mutter von Luise von Racknitz aufs Tiefste geteilt. Am Ende habe sie „stets in seltsam krummen Beträgen ihr gesamtes Vermögen, rund 100 000 Mark“ gespendet, um den Bau der Kapelle zu finanzieren. Leider habe sie den fertigen Bau nicht mehr erleben dürfen, doch noch erfahren, dass der Bauantrag genehmigt sei, und sie habe das Architekturmodell der Kapelle gesehen.


Foto wie zur Weihe vor 25 Jahren


Eine ebenfalls gereinigte Tafel an der Kapelle erinnert an diese besondere Frau. „Wie von den Flügeln eines Engels“ sollten sich die Menschen nach Wunsch von Ehrengard von Racknitz freundlich begrüßt fühlen. Mit einer persönlichen Schilderung würdigte Eck umgekehrt den Blick aus der Kapelle. Ihm kommen die Fenster vor „wie die Flügel eines Hochaltarbildes, eines Flügelaltares. Und die Bilder, die auf diesen Altarflügeln zu sehen sind, sie sind nicht gemalt und nicht geschnitzt, sondern Gott, unser Schöpfer hat sie gemacht.“


„Glaube“, so Eck, „bezieht die Realität des Lebens immer mit ein.“ Durch den Wunsch nach einem Foto der Feiernden gemeinsam vor der Kapelle wie bei der Einweihung vor 25 Jahren machte der Regen einen Strich. Doch sollte es, nachdem sich die Gäste zu einem kleinen Festumtrunk zum Museum begeben hatten, dann doch noch möglich werden.
Zuvor jedoch dankte Dickes all denen, die an dem „kleinen Wunder“ maßgeblich beteiligt gewesen waren: Ottmar Steeg, der als Motor den Ablauf koordiniert, vor allem aber offene Ohren bei den Spendern gefunden hatte. Beide, Dickes und von Racknitz, dankten vor allem auch Hans-Gerd Dhonau und Gudrun Wiest für die großzügige Unterstützung durch die Bürkle-Stiftung und Gerdi Schack-Link, die sich nicht minder für die Erneuerung der Kapelle eingesetzt habe. Für sein sehr großes persönliches Engagement über das Gewöhnliche hinaus dankte von Racknitz Malermeister Ralf Dörr aus Odernheim.


Lebendiges christliches Leben


Für die Unterstützung der Arbeiten ging Dank an Fritz Grauer, von Racknitz' Nachbar auf dem Disibodenberger Hof, ohne ihn wäre nicht einmal Wasser auf den Berg gelangt. Und dass man anstoßen könne, verdanke man Christian Held, der Sekt des Weingutes Disibodenberg gespendet hatte.


Zu denen, die Anacker auf dem alten Foto entdeckt hatte, gehörte auch Günther Stanzl. Er hatte von 1985 bis 1989 die vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführten Forschungs-, Grabungs- und Restaurierungstätigkeiten geleitet. Ohne das Einvernehmen mit dem Landesamt wäre auch die Kapelle nicht möglich geworden. Er erinnerte daran, wie sich auch Hans-Lothar Freiherr von Racknitz mit aller Energie für die Kapelle eingesetzt habe. Vor allem jedoch, wie er sich bei den damals anstehenden Entscheidungen in den Fragen Grabung oder Natur für jeden Baum des Berges einzeln starkgemacht habe.
In seinem Rückblick unterzog Pfarrer Ralf Anacker die Kapelle einem kleinen Stresstest. Hat sie bewirkt, was man sich damals vorgestellt hatte? Vor allem die Ökumene zu befördern, die Gemeinden um den Berg näher zueinander zu bringen und christliches Leben auf dem Berg lebendig zu pflegen? Ein deutliches Ja in allen Teilen konnte er der Kapelle zusprechen. Und auch um die Zukunft musste ihm nicht bang sein. Die Kapelle steht hier für den ganzen Berg. „Lassen Sie uns gemeinsam das Feuer für den Disibodenberg am Brennen halten und es bewahren”, lautete schließlich der Wunsch von Luise von Racknitz im Andenken an ihre Eltern.

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