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Kurzweilige Musikgeschichten
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Kurzweilige Musikgeschichten

Artikel von Wilhelm Meyer 02.05.2022 Oeffentlicher Anzeiger

Katrin Geelvink ist die Cellistin, der ein einfaches Cello nicht reicht. Am Abend im Turbinensaal der Odernheimer Bannmühle bot sie mit ihrem Soloprogramm „Träum weiter ...!“ wie versprochen kurzweiligen Genuss – hintergründig zudem, sodass man ihn mit einem Mal wohl kaum auskosten konnte. Mit ihrer Campanula, einem besonderen Cello, das mit 16 verstärkenden Resonanzseiten ausgerüstet ist, verpackt die Künstlerin die Tücken des Lebens in kurzweilige Musikgeschichten. Anna Keuck, noch recht frisches Mitglied des Teams der Kulturinitiative Odernheim („KinO“), hatte Geelvink „entdeckt“ und nach Odernheim geholt.


Wie manche Texte ohne Fußnoten kaum zu verstehen sind, wünschte man sich das auch bei diesem Abend, vor allem für die musikalischen Andeutungen. Nicht immer waren sie so klar wie bei George Bizets „Carmen“. Wie an einer Perlenschnur der Alltagsdramatik in aufsteigender Reihenfolge gereiht sind die Mikrodramen, die Geelvink in ihren Texten präsentiert. Da wechselt sie zwischen den Stimmen, lässt das Instrument mit kaum glaublichen Klängen als Wiederholungszeichen erklingen wie in der Warteschleife eines Callcenters. Aber meist tönen doch vieldeutige Kommentare.


Es geht ums Einschlafen: Wenn die Schäfchen nicht mehr so wollen, wie es die Schlafgeneigte wünscht, helfen vielleicht eine App oder gar ein telefonischer Einschlafhilfsdienst, ein Schäfchentreiber, ein Domian, eine Märchenwunschmaschine für Traumprinzen, die, „wie es der Name schon sagt, nur im Schlaf auftauchen“. Dahin muss man allerdings erst mal kommen. Was aber macht es uns so schwer einzuschlafen? Da bietet Geelvink in ihren faszinierend mehrstimmigen Mikrodramen oder dialogischen Chansons zu jeder gedrückten Taste („dann wählen Sie die Eins“) eine Fülle von Ereignissen, Erlebnissen, die das bewirken.


Es überschlägt sich. Das Ausharren in der Warteschleife ist erstaunlich kurz, es geht in eine surreale Welt der Schlafbegleitung. Welch witzige Unternehmung ist es doch, etwa Kunst und Kultur als eine der bewährtesten Einschlafhilfen zu bemühen, aber gleichzeitig das Publikum wach zu behalten. Das schafft Katrin Geelvink mit ihren aberwitzigen Dialogen spielend. Man könnte sie freilich als parallele Monologe bezeichnen, ein Aneinander vorbei, bei dem sich die Fachmenschen um ein gelingendes Schlafprogramm bemühen.


Die professionellen Betreuer, die mitunter hoffnungsfroh leise anfragen, ob auf der Gegenseite die Schlafsuchende noch wach sei, werden allesamt von Geelvink in bestechender Art und in jeweils eigener Klangfarbe präsentiert. Vor allem jedoch sind es die Dialoge, die sie mit ihrem Instrument führt, das mal die Linie des Geschehens witzig untermalt, aber auch manchmal aufzubegehren scheint. Nichts zum Einschlafen also – ein quirliger, überbordender Genuss. Aus jeder Katastrophe eine Geschichte machen, das ist wohl die kreativste Art, mit Alltag und Feiertag umzugehen.
Meinte man nun nach der Pause, dass von allen Anwesenden doch wenigstens die Künstlerin selbst einschlafen könnte, hatte man weit gefehlt. Mit Krachern wie „Frau in der Männerwelt“, in denen Geelvink ihr Stimmrepertoire noch einmal um knackige Männerstimmen erweiterte, und mit einem köstlichen mundartlichen Besuch bei „ihrer Mutter in der Pfalz“ war noch einmal Hochform angesagt.


Corona spielte an diesem Konzertabend in der Odernheimer Bannmühle lediglich als Empfehlung zur Maske in Innenräumen eine Rolle, an die sich das „KinO“-Team hielt. Ansonsten war es, wie der Optimist sagen würde, immerhin schon ein halb voller Saal.

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