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Gemeinde soll Archäologenkosten vorstrecken
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Gemeinde soll Archäologenkosten vorstrecken

Artikel von Wilhelm Meyer - Oeffentlicher Anzeiger 29.12.2019

Einen Geschwindigkeitsrekord stellte der Odernheimer Ortsbürgermeister Achim Schick nach der Gemeinderatssitzung beim Blick auf die Uhr fest. Gerade eine halbe Stunde hatte die Videokonferenz des Rates gedauert. Und dabei war sie noch von Meldungen einiger Ratsmitglieder unterbrochen worden, die den Einstieg in die Onlinesitzung nicht rechtzeitig geschafft hatten.


Kernpunkt der Sitzung war ein Beschluss des Rates zur Ermächtigung des Ortsbürgermeisters zum Abschluss einer Grabungsvereinbarung für die Erweiterung des Neubaugebietes „Am Lettweiler Weg II“. Zugeschaltet war Sachbearbeiterin Michelle Weikert von der Bauabteilung, um Fragen zur Planung zu beantworten.
Im Rahmen der Offenlage des Bebauungsplans hatten die Landesarchäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Bedenken angemeldet, dass es auch hier möglicherweise archäologische Funde geben könnte. Ursprünglich hätten die wenigen bei der geomagnetischen Voruntersuchung entdeckten Anomalien baubegleitend bearbeitet werden sollen, erläuterte Weikert. Aufgrund des fehlenden Personals bei der Generaldirektion habe diese mitgeteilt, dass es im Falle eines Fundes im Grabungsschutzgebiet dann zu einem langfristigen Baustopp kommen könnte. Daher habe die Generaldirektion vorgeschlagen, dass das Areal im Vorfeld untersucht werden sollte. Aufgrund der unsicheren Witterungsverhältnisse werde diese Untersuchung für April geplant.


Der Ablauf für diese vorgezogene Grabungsuntersuchungen soll nun in einer Vereinbarung geregelt werden, für die der Rat den Ortsbürgermeister ermächtigte. Ein potenzielles Problem für die Gemeinde wären die Kosten, auch wenn sie im Anschluss auf die Bauplätze umgelegt werden sollen. Im Vereinbarungstext heißt es, dass sich der Bauherr, also die Gemeinde, pauschal an den Kosten der denkmalpflegerischen Grabungsarbeiten mit 15 000 Euro beteiligt und diese Summe der Landesarchäologie Mainz zur Verfügung stellt. Sollten darüber hinaus archäologische Funde entdeckt werden, wird die Summe auf 30 000 Euro erhöht, um tatsächliche Grabungen zu begleiten.


Es sei schon ein starkes Stück, fand SPD-Fraktionssprecher Hans-Jörg Lenhoff, dass die Gemeinde bei einer steuerfinanzierten Behörde für deren fehlende personelle Kapazitäten geradestehen müsse. „Wir bezahlen so die personelle Unterbesetzung der Generaldirektion“, ärgerte er sich. Darüber hinaus stellte Lenhoff fest, dass die Voruntersuchungen zwar die Wahrscheinlichkeit weiterer Grabungen und Verzögerungen verringern würden, jedoch keineswegs zur Gänze Belastungen der einzelnen Bauwilligen ausschlössen. Wenn darüber hinaus während eines Hausbaus etwas gefunden würde, sind die Bauherren verpflichtet, dem Denkmalamt eine Mitteilung zu machen.


10 000 Euro zusätzliche Kosten kämen dann noch mit der Bereitstellung eines Baggers nebst Baggerführer auf die Gemeinde zu, schilderte Weickert. In der Summe seien zudem Erdaushub, Strom- und Wasseranschluss für den Mannschaftscontainer sowie Flächen für die eventuelle Lagerung von Bauzäunen oder Bagger bei archäologischen Untersuchungen enthalten. Auch besagt die Vereinbarung, dass eine Wiederverfüllung der archäologischen Bodeneingriffe und die eventuell nötigen Verdichtungsmaßnahmen nach Abschluss der Gesamtausgrabung der Bauherr zu übernehmen hat.


Erfahrungen der ersten Grabung und vor allem bei den weiteren direkt an dem vorgesehenen Areal von „Am Lettweiler Weg II“ gelegenen Flächen hätten gezeigt, dass in südlicher Richtung kaum noch Funde zu erwarten seien, erklärte der Erste Beigeordnete Rainer Hildenbrand. So könnte durchaus zutreffen, was die Vereinbarung auch regelt: „Falls sich zeigen sollte, dass keine archäologisch relevanten Befunde vorhanden sind, wird der Grabungsbeitrag abzüglich der entstandenen Kosten zurückerstattet.“ Außerdem akzeptierte der Rat ohne Gegenstimme eine Beteiligung an den Bündelausschreibungen für Strom und Gas.

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