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Spannender Ausflug in die nachklösterliche Zeit
Walter Jung (Admin)
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Spannender Ausflug in die nachklösterliche Zeit

Artikel von Wilhelm Meyer 4. November 2021 Oeffentlicher Anzeiger

Am Reformationstag auf dem Disibodenberg: Zum diesem Gedenktag hat die Disibodenberger Scivias-Stiftung einen Themenspaziergang angeboten, der das Augenmerk vornehmlich auf die nachklösterliche Zeit des Berges legte.
Auch wenn die Spuren der späteren Jahrhunderte nicht so offensichtlich ins Auge fallen, wie beispielsweise die imposanten und erhaltenen Gebäude oder das weite Areal der Klosterkirche: Stiftungsvorsitzende Luise von Racknitz wusste diese Spuren während ihrer Führung in gutes Licht zu rücken.
Für ihre Führung hatte sie als Anfang die ersten Folgen der Reformation auf die Ereignisse auf dem Berg gesetzt und auch einen Endpunkt: 1989 entschlossen sich ihre Eltern, Ehrengard und Hans-Lothar von Racknitz, den Privatbesitz in eine Stiftung öffentlichen Rechts, die Disibodenberger Scivias Stiftung, zu überführen. „Vorher war der Disibodenberg für uns Kinder so etwas wie unser großer Garten“, erinnerte sich Luise von Racknitz. Als ihre Mutter Ehrengard, damals Gräfin von Hohenthal, die nördliche Hälfte des Berges und somit die Klosterruine von ihrem Verwandten Wilhelm Scipio erbte, habe man weit und breit vor allem Brombeeren, Efeu und Bäume erkennen können. Lediglich die Reste der großen Gebäude hätten das Besondere des Ortes ahnen lassen. Allein schon, dass heute die meisten Mauern zu erkennen seien, ist ein Verdienst der Nachfolgenden. Der Erhalt sei in hohem Maße ihren Eltern zu verdanken, sieht sich Luise von Racknitz einer großen Tradition verpflichtet.
Zunächst machte ein kleiner Rundgang die Gruppe indes mit der klösterlichen Zeit vertraut. Da ist der mythische und christliche Anfang, verbunden mit dem Heiligen Disibod, dem eine Stätte verheißen war, die er auf dem dann nach ihm benannten Berg gefunden hatte. Funde weisen darauf hin, dass zuvor ein römisches Heiligtum den Berg gekrönt habe und höchst wahrscheinlich zuvor ein keltisches. Das erste Kloster des Disibod vermute man jedoch nicht auf dem Berg, sondern in der Senke, wo heute der Disibodenberger Hof mit dem Museum und dem Zugang zur Ruine liege. Das schloss nicht allein die Runde der Führung, sondern auch den geschichtlichen Kreis der nachklösterlichen Zeit. Eine Bauinschrift des Klosterschaffners Georg Kessler am neuen Hofhaus des immer noch dort liegenden Wirtschaftshofes aus dem Jahre 1608 gibt Zeugnis, dass ein beträchtlicher Teil des Geschehens zu dieser Zeit wieder an die Stelle gerückt war, die sich Disibod erwählt haben dürfte.
Doch auch die Bauten auf dem Berg wurden weiterhin genutzt. Am Abteigebäude, dem ehemals imposantesten Bauwerk des Klosters wies von Racknitz darauf hin, wie die großen Räume unterteilt und neu genutzt worden seien. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein dürfte das ehemalige Kloster bewohnt geblieben sein. Vom relativen Wohlstand des Klosters hätten Funde von renaissancezeitlichen Bodenfliesen und Ofenkacheln gezeugt. Danach habe die Zeit eingesetzt, in der das Kloster zum Steinbruch für die umliegenden Orte geworden sei.
Nachdem der lutherische Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken die Auflösung des Klosters beschlossen hatte, habe es noch gut zwei Jahre gedauert, bis die beiden verbliebenen Mönche Ende des Jahres 1559 bereit waren, das Kloster zu verlassen. Persönlich nicht zu ihrem Schaden: Abt Peter heiratete und wurde Ortspfarrer in Odernheim, und Bruder Johann von Burg, ebenfalls verheiratet, wurde hier Lehrer.
Wenn Fritz Grauer, Erbe des zweiten Teils des Grossarthschen Teils des Disibodenbergs, zu einem Rundgang einlade, sollte man auch diese Gelegenheit nutzen, so ein Hinweis von Luise von Racknitz. Dabei stehe das nachklösterliche Leben auf der anderen Seite des Bergs im Mittelpunkt. Seit 1704 nämlich war dieser Landbesitz in Erbpacht der Familie Grossarth. Durch Grundstücktausch seien die zunächst gestückelten Teile des Erbes zu zwei abgeschlossenen Teilen abgerundet worden.
Beim Blick in die Überreste des Inneren des Abteigebäudes ist es kein Zufall, wenn sich Besucher an Bäume entlang der Seitenwand lehnen können. Bäume, die Teil eines Parks sind, die Racknitz' Vorfahre Peter Wannemann ab 1841 in der Ruine nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten hatte pflanzen lassen. Dass es auch zu dem vom damaligen berühmten Heidelberger Gartenbaudirektor Ludwig J. Metzger angelegten Park eigene Führungen gibt, macht deutlich, wie umfangreich auch die nachklösterliche Geschichte ist. Metzger habe das Aussehen des Berges umfassend verändert. Es zeuge von Weitblick, einen Park zu planen, den man erst in hundert und mehr Jahren in seiner ganzen Fülle genießen kann, zeigte sich Luise von Racknitz begeistert.
Gut lässt sich am Abteigebäude auch der Aufwand erkennen, der nötig ist, das Vorhandene zu erhalten und den Klosterberg für Besucher offen zu halten. Der Erhalt der noch vorhandene Gewölbe im Kellerbereich habe allein eine sechstellige Summe verschlungen, und auch manche Mauern lassen die Arbeit erkennen, die nötig ist, die Struktur trotz Efeus und Brombeeren erkennbar zu halten.

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