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Stolpersteine erinnern an jüdische Mitbürger
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Stolpersteine erinnern an jüdische Mitbürger

Artikel von Wilhelm Meyer 24.September 2021 Oeffentlicher Anzeiger

Mit fünf Stolpersteinen wird nun auch in Odernheim an die Vertreibung und Tötung jüdischer Mitbürger durch die Nationalsozialisten gedacht. Damit hat sich die Gemeinde Odernheim in das Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig eingereiht. Jeder Stein dieses größten dezentralen Mahnmals der Welt erinnert an ein Opfer der NS-Zeit.
„Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch“ – so lautet Demnigs Ansatz, mit dem jedes einzelne Schicksal in Erinnerung gerufen werden soll. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Demnig den Talmud. Die Gedenkplaketten sollen diesen Opfern des Nationalsozialismus ihre Namen zurückgeben und damit die Erinnerung an sie wachhalten.
Vor fast zwei Jahren hatte der Odernheimer Gemeinderat der Verlegung zugestimmt. Sie hätte zu Beginn dieses Jahres in Anwesenheit des Künstlers stattfinden sollen – doch dieser Termin hatte vor allem Corona-bedingt nicht stattfinden können, berichtet Martina Blank. Die Initiatorin der Verlegung berichtet, dass man sich daraufhin entschlossen habe, die Stolpersteine ohne Demnig umzusetzen. Denn ein nächster Termin mit dem Künstler hätte frühestens im Frühjahr 2022 in Aussicht gestanden.


Dokumentation gab Denkanstoß
Blank erinnerte eingangs daran, dass die von Andreas Ott 2018 erarbeitete Dokumentation „500 Jahre jüdisches Leben in Odernheim am Glan“ der Anlass gewesen sei, über die Verlegung von Stolpersteinen nachzudenken. Die Ergebnisse Otts umfangreicher Spurensuche sind in einem Buch veröffentlicht worden, und er hat damit zugleich auf das Schicksal der noch in der Nazizeit in Odernheim verbliebenen Juden aufmerksam gemacht. Auch die Vorsitzende des Odernheimer Kultur- und Verkehrsvereins, Gabi Theiss, befand, die Erinnerung an die NS-Zeit könne keine Angelegenheit nur einzelner Odernheimer bleiben. Als einer der ersten Paten der fünf Steine hatte sich Odernheims Ortsbürgermeister Achim Schick eingereiht. Die unselige Rolle, die Odernheim in der Nazizeit als Vorreiter des braunen Terrors gespielt habe, dürfe nicht vergessen werden, sagte Schick.
Der protestantische Pfarrer Dietmar Schulz-Klinkenberg erinnerte nun bei der Verlegung der fünf Gedenksteine daran, dass der Schrecken für die Juden nicht erst mit den Gaskammern und dem Einbrennen der Nummer auf dem Unterarm in Auschwitz begonnen habe, sondern im Dorf selbst. Die damals vierjährige Johanna Maier sei nicht nur von anderen Kindern, sondern auch von Odernheimer Erwachsenen getreten, geschlagen und bespuckt worden.
Der Pfarrer der katholischen Pfarrei, Hans-Jürgen Eck, fasste sein Gedenken in ein Gebet, das Unrecht nie zu vergessen, wach zu sein und die Botschaft in die Welt zu tragen. Zugleich erinnerte er an Menschen, die auch heute noch fliehen müssten. Dass sie ein neues, furchtloses, selbstbestimmtes Leben finden mögen.
Odernheimer Konfirmanden verlasen den Text zu jeweils einem der fünf Odernheimer Stolpersteine und legten eine Rose hinzu. Angela Müller-Pfeffer und Aya Cohrssen begleiteten auf Klarinette und Akkordeon die Verlegung der Steine auch mit einem sehr persönlichen Beitrag, einer Erinnerung an Cohrssens Großvater, von dem sie erst spät erfahren hatte, dass er Jude war.


Mehr als nur Namen und Daten


Von den Menschen, an die mit den Steinen erinnert werden soll, weiß man jedoch mehr als nur die Namen und Daten. An ihre Geschichte, vom Erwerb des Hauses 1860, dem Betrieb der Schusterei und eines Kolonialwarenhandels, der Deportation bis zum Tod Johanna Maiers, erinnerte Blank. Nicht mehr froh werden können habe das Mädchen Johanna, das zeitlebens an ihrer und ihrer Familie Geschichte zu tragen hatte und einen großen Teil ihres Lebens „in therapeutische und Pflegeeinrichtungen“ verbringen musste.
Aus Bonn angereist war Gerdi Müller-Sirch. Nicht nur durch ihre mit den Familien Neu und Maier befreundeten Eltern und Großeltern hat sie eine lebendige Erinnerung an die jüdischen Nachbarn bewahrt. Ein Geschenk der damaligen jüdischen Nachbarn wird noch heute in Ehren gehalten: Eine Halbgeige, eine kleine Kindergeige, auf der Müller-Sirchs Tochter das Instrument erlernt hat, ist noch in ihrem Besitz. Ohne Wehmut könne sie auf dieser Geige gespielte Töne nicht hören, berichtete sie.

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