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Bearbeitete Steine lesen sich wie ein Tagebuch
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Bearbeitete Steine lesen sich wie ein Tagebuch

Artikel von Wilhelm Meyer 09.September 2021 Oeffentlicher Anzeiger

Bearbeitete Steine lesen sich wie ein Tagebuch

 Fertiggestellt waren Kompositionen und Skulpturen. Zwei Wochen hatten sich Bildhauer und Musiker im Projekt „StEinklang – Musik trifft Bildhauerei“ in der Klosterruine Disibodenberg Zeit genommen, den Berg künstlerisch zu beleben. Mitunter wehte der Wind je nach Richtung Klänge von den Höhen des Disibodenbergs über Odernheim oder auch Staudernheim.
„Sitz von Kunst und Musik“ sei der Disibodenberg gewesen, stellte Roland Vanececk, der seit Kurzem selbst am Fuße des Berges wohnt, in seiner Begrüßung zur Finissage fest. Die geschichts- und kulturträchtige Atmosphäre des Disibodenbergs, der ehemaligen Wirkungsstätte Hildegard von Bingens, zu genießen, sich anregen zu lassen, war das Ziel. Nicht minder jedoch, in einen lebendigen Dialog mit Hörern und Betrachtern noch im Entstehungsprozess zu kommen.
Vanececk und die Potsdamer Bildhauerin Birgit Knappe, Initiatoren des Ereignisses, hatten sich hochkarätige Mitstreiter eingeladen. So hatte sich Florian Andres Müller aus Mailand wie Knappe der Herausforderung gestellt, zwischen all den Steinblöcken der Ruine in je zwei „frisch gebrochenen Steinen“ festzuhalten, was die Auseinandersetzung mit diesem besonderen Ort auslöst. Steine, die schließlich wie ein Tagebuch dieser zwei Wochen zu lesen sein würden.
Mit Roland Vanececk hatten sich Anna Lang und Alois Eberl vom Duo Sinfonia de Carnaval aus Österreich der musikalischen Aufgabe gestellt, Eindrücke der Ruine und mehr noch das Werk der Komponistin und Bewohnerin des Disibodenbergs, Hildegard von Bingen, in zeitgenössischen Kompositionen und im Austausch mit der anderen Kunst fassbar zu machen.
„Es war eine wunderbare Woche“, blickte Anna Lang, die mit Alois Eberl erst zum zweiten Teil des Treffens hinzugestoßen war, zurück. Doch nicht allein die Akteure selbst hatten die Zeit genossen, auch zahlreiche Besucher waren in diesen Tagen auf den Berg gestiegen.
Auch der Koch hat seinen Anteil
Da waren Mauerstümpfe der Ruinen zu Stammplätzen geworden. Denn nicht allein Steine und Töne entwickelten sich, auch der vegetarische „Disibodenburger“ aus Dinkel, Gemüse und Kräutern ging im Lauf der Woche seiner Vervollkommnung entgegen. Koch Torsten Schneider von der Mühlbachstube aus Breuningweiler hatte nicht weniger Anteil an dieser Finissage. Manch einer wird dem Schwinden von Schneiders mobiler Küche am Hospiz nachtrauern. Zum offenen Atelier, Proben- und Probierraum war die Fläche vor dem Hospiz, dem ehemaligem Gästehaus, geworden. Ein mehrfaches Vorfinale, ein mobiles Konzert mit „Disibodenburger“, Wein und Getränken gegen eine Spende hatte es ja jeden Abend schon gegeben. Denn um „StEinklang“ zu finanzieren, brauchte es jede Möglichkeit, hatten sich doch alle Hoffnungen auf eine öffentliche Unterstützung zerschlagen. Umso größer war der Dank an alle, die Abend für Abend die Treue gehalten hatten, etwa die Familie von Racknitz und die Scivias-Stiftung, die Familie Grauer, die den zweiten Teil des Disibodenberger Hof bewohnt, die Firma Carl Picard Natursteinwerk, die vier Sandsteinblöcke aus dem Schweinstal bei Kaiserslautern gespendet hat, sowie Karl Otto Neu und Thomas Porth, die sie transportiert haben.
Wie am Mittelmeer
Wie am Mittelmeer mochten sich die zahlreichen Besucher gefühlt haben, die vom sanften Abendlicht eingehüllt in den Genuss der Uraufführung der musikalischen Werke kamen. Getragenes zunächst, dann Beschwingtes sowie von Eberls Akkordeon französisch geprägte Klänge ließen Disharmonien keinen Raum. Sängerin Julia Jung interpretierte die Lieder einfühlsam.
Die in Hildegards Musik vorzufindenden ungeraden wechselnden Takte, so Lang, hätten sich vortrefflich mit der Vorliebe der Bildhauer für das Ungerade vereint. Auch in den Stein habe man übrigens gehorcht. Dass er seinen Stein meist im Fünfvierteltakt bearbeite, war Müllers erst richtig am Disibodenberg bewusst geworden. Die Fenster des Hospizes waren zu seinem Werk ausschlaggebend, für Knappe war es der Rhythmus der Treppen. Bei der Konzerturaufführung hatten die Steine am Ende gar als feine Rhythmusinstrumente zu dienen.
Nicht zu vergessen der nicht allein musikalische Einsatz von Franz Adams am Ende. Charmant, unaufdringlich, aber auch bestimmt präsentierte er den Hut, ohne den schließlich alles nicht hätte gewesen sein können.
 

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