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Musikalische Krötenwanderung in Odernheim
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Musikalische Krötenwanderung in Odernheim

Artikel von Wilhelm Meyer 15. Juli 2021 Oeffentlicher Anzeiger

Odernheims Dorfplatz könnte für Simon Höneß zur Hausbühne werden. Noch vor 14 Tagen hatte er mal eben die Odernheimer Kaffeetafel des Vereins Dorfleben mit seinem rollenden Klavier bereichert. Zuvor hatte der Mainzer sich im Rahmen der Auftritte bei der Kulturinitiative Odernheim vor dem Corona-Lockdown den Platz mit den Brüdern Vanecek geteilt. Und auch mit der Band Superfro war er bereits 2014 nach Odernheim gekommen. Nun stellte die Band mit „Krötenwanderung“ in Odernheim ihre neueste CD zum ersten Mal überhaupt auf der Bühne vor. Die CD ist noch so frisch, dass sie auf der Internetseite der Gruppe erst für den Folgetag zu bestellen war.
Den Namen Superfro, daran erinnerte Höneß in seiner Anmoderation, hat die Gruppe vom Kontrabassisten Frowin Ickler erhalten. Keinesfalls in der hinteren Reihe stehen Jan Beiling mit dem Saxofon und David Tröscher (Percussion). Die Titelliste auf der CD verrät, dass nicht wenige der am Abend gespielten Titel Kompositionen des gesamten Teams sind.
„Unter anderem geht es um afrikanische Dorffeste, tanzende Kühe und nervöse Kröten – aber hört selbst“, hatte Höneß in der Ankündigung versprochen. Die Kröten, denen die CD ihren Namen verdankt, machten im Stück „Krötenwanderung“ den Auftakt. Dramatisch beschrieb Höneß das erotisch nervöse Gedränge der Amphibien beim Überqueren einer Landstraße und das Heranbrausen eines Lastwagens. Auf einen Aufschrei, etwa wie bei Pink Floyds „Careful with that Axe, Eugene“ erwartet man indes vergebens. Das Leben geht weiter, für manche jedenfalls, und was die Kröten bewegte, ist nicht so weit weg von den Menschen. Mit „Who's that Girl?“ wandten sich die Musiker im zweiten Titel den Menschen zu. Man geht an den Strand. Wer aber ist nun das Mädchen? Höneß verrät es am Ende. Gesucht war das „Girl of Ipanema“. Einfach macht es Superfro seinen Hörern freilich nicht. Kein Raunen ging bei diesem Titel durchs Publikum, und man mochte glauben, dass die meisten erst mit der Auflösung den Aha-Moment erreichten. Mit Selbstironie haben die Vier eine böse Beurteilung uralter früherer musikalischer Schritte zum Titel eines Stückes gemacht. „Hasenpunk“ hat einen Rhythmus, bei dem man sich das Haken schlagende Tier vorzustellen vermag.
Superfro bietet keine einfachen Melodien. Die meisten Stücke begnügen sich nicht mit wenigen Minuten, sind keine kurzen, gut konsumierbaren Hits für die Tanzbühne. Es bleibt beim Wippen der Füße und dem Wiegen der Köpfe im Publikum. Erstaunlich komplexe Klangwelten sind es, die diese Band mit vier Musikern erzielt. Die Reisen, auf die Superfro seine Hörer mitnehmen will, sind weniger real geworden: „Afrikanische Dorffeste“ finden im Kopf statt. Musik kann das. Und die Odernheimer lassen sich ein, lassen sich tragen. Etwa, wie sie mit ihrem Applaus bei manch einem Stück bis zum letzten Ausklingen warten und noch eine Weile die Stille sozusagen nachschmecken.
Mit „Bar Atlantico“ und „Innehalten“, Stücken der früheren CDs, gab Superfro zwei Zugaben bevor es die Möglichkeit gab, die CD in eigenen Händen zu halten. Übrigens war die Schlange für die CDs zeitweilig länger als die Schlange am Eingang zur Corona-Nachverfolgung. Wilhelm Meyer

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