NEUIGKEITEN

Der künstlich erzeugten Gleichzeitigkeit begegnen
Walter Jung (Admin)
/ Kategorien: NEUIGKEITEN, Dorfladen

Der künstlich erzeugten Gleichzeitigkeit begegnen

Artikel von Wilhelm Meyer 9.4.2021 Oeffentlicher Anzeiger

Von der Aktion Solawi (solidarische Landwirtschaft) in Odernheim hat mancher sicherlich schon gehört. Seit Januar 2019 bewirtschaften Kerstin und Marcel Mengewein ein Stück Ackerland auf dem Biohof von Hans Pfeffer auf der Odernheimer Bannmühle. Permaglück nennen sie ihre Unternehmung. Mit der Namenswahl wollen sie signalisieren, dass sie nach der ganzheitlichen Methode der Permakultur nachhaltig wirtschaften. Auf ihrem YouTube-Kanal und auf ihrer Internetseite erläutern die Mengeweins ihre Arbeit und werben für Permakultur.
Alle Zweifel, ob es vor Ort überhaupt genug Bedarf an frischen und auch ökologisch angebauten Lebensmitteln gibt, hatten sich bald zerstreut. Kerstin und Marcel Mengewein mussten in den ersten beiden Jahren sogar Interessenten absagen. Erst mit einer Erweiterung der Fläche konnten sie ihre Warteliste im dritten Betriebsjahr abarbeiten und neue Mitglieder aufnehmen.
Nicht nur die Anbaufläche ist größer geworden, Unterstützung bei der Arbeit ist ebenfalls hinzugekommen. Kristin Enderes absolviert auf der Bannmühle ihr drittes Lehrjahr in der freien Ausbildung der Demeter-Landwirtschaft. Permaglück ist seit diesem Jahr dafür offizieller Ausbildungsbetrieb.
Die beiden Quereinsteiger haben in der kurzen Zeit einiges auf die Beine gestellt. Als eine von nur vier Beratungsstellen in Deutschland berät Kerstin Mengewein Gärtnereien individuell vor Ort und bietet Kurse und Seminare an. Ihr eigener YouTube-Kanal hat 12 800 Abonnenten.
Die derzeit 73 Mitglieder sehen in Odernheim dem Ende des Winters entgegen. Ein ganz dickes Zeichen war die erste grüne Solawi-Kiste. Noch sind es Salate. Ein dunkelroter und ein krauser Kopfsalat, ein Bund Asia-Salat, ein Bund Rucola, Feldsalat und ein Pak Choi. „Endlich wieder frisches Grün!“, kam es bei manchem Mitglied aus tiefstem Herzen. Der Plan für einen Frühlingssalat war vorgezeichnet.
„Wir haben euch schon richtig vermisst!“, hieß es, und erfahren durfte man auch gleich, was die Kiste in der nächsten Woche bereithalten wird. Mit Radieschen zu den vielfältigen Salaten wird es noch ein bisschen bunter werden. „Man wird hier einfach verwöhnt“, meinte eine Odernheimerin. Vor allem lerne man wieder schätzen, wann etwas aus dem Garten seine Zeit habe. Das verlerne man ja bei der in den Supermärkten künstlich erzeugten Gleichzeitigkeit von allem. Zugleich aber merke man auch, welch geringe Vielfalt die Supermärkte bieten.
Mehr als 45 verschiedene Kulturen werde man in diesem Jahr ziehen, verspricht Marcel Mengewein. Darunter sind auch unübliche Sorten wie japanische Mairüben, Winterpostelein, Hirschhornsalat, Gelbe Bete, Red Russian Kale, Pak Choi und Barbarakresse.
Abgeholt werden die Gemüsekisten freitags zwischen 15 und 18 Uhr auf dem Hof der Bannmühle. Sich, wenn auch mit Maske und auf Abstand, wieder einmal sehen zu können, genießen die beiden Initiatoren ebenso wie die Mitglieder. Es werden auch Wünsche berücksichtigt, was angebaut werden soll, und zweimal die gleichen Inhalte gibt es nicht. Die Kiste wird saisonal zusammengestellt, im Sommer mit bis zu zehn Kulturen, in der Randsaison in entsprechend kleinerer Auswahl. Ein Ernteanteil entspreche einem Zweipersonenhaushalt mit gutem Gemüsekonsum, erläutert Kerstin Mengewein.
Veranstaltungen zum Kennenlernen wie Infoabende, Aktionstage, Erntetage, Gärtnereiführungen, aber auch Mitgliederversammlung können in der derzeitigen Corona-Zeit nicht stattfinden, bedauert Mengewein. Wichtig auch für die Transparenz seien Informationen über Betriebs- und Lohnkosten, Anschaffungen, Anbauplanung und Gärtnereiaufbau. Darüber solle jedes Mitglied informiert sein.
Stolz sind die beiden auf einen Beitrag zur „Terra-Xpress“-Sendung „Was essen wir in Zukunft?“ im ZDF. Auf diese habe es viel positive Resonanz gegeben, erzählt Kerstin Mengewein. Gern wären einige Menschen eingestiegen, wenn sie näher an Odernheim wohnten. Eine Person aus dem Münchner Raum habe sogar einen Jahresbeitrag gespendet. Den entsprechenden Ernteanteil soll eine Familie mit Kindern erhalten, die es sich sonst nicht leisten kann, war seine Bedingung. „Daraufhin haben wir uns für eine Verlosung entschieden. Bis zum 29. April sammeln wir Vorschläge, schreiben sie auf Zettel und losen sie aus“, erklären die beiden Gärtner. Der Gewinner kann sich ab dem 30. April die erste Gemüsekiste abholen.
Noch zwölf Plätze frei
Aktuell ist noch Platz für zwölf weitere Mitglieder aus der Umgebung. Mehr Informationen über die solidarische Landwirtschaft Permaglück auf der Odernheimer Bannmühle gibt es im Internet auf www.permaglueck.de oder auf YouTube.

vorheriger Artikel Dach abdichten und neues Licht für die Halle
nächster Artikel Externer Defibrillator für Odernheim angeschafft
Drucken
35

Walter Jung (Admin)Walter Jung (Admin)

Weitere Beiträge von Walter Jung (Admin)
Autor kontaktieren

Bitte Anmelden oder registrieren um Kommentare zu schreiben.

Ihr Name
Ihre e-Mailadresse
Betreff
Geben Sie Ihre Nachricht ein...
x