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Harfenklänge auf dem Disibodenberg
Walter Jung (Admin)
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Harfenklänge auf dem Disibodenberg

Artikel von Bernd Hey- 21.7..2020 Oeffentlicher Anzeiger - Foto: Bernd Hey

Ein Harfenkonzert der Extraklasse mit Silke Aichhorn erlebten weit mehr als 200 Zuhörer am Samstagabend in der Klosterruine auf dem Disibodenberg. Landrätin Bettina Dickes begrüßte die kulturinteressierten Gäste an ihrem persönlichen Lieblingsort im Namen des Vereins „Nahe.Kultur.Landschaft“ und als Vorsitzende des Freundeskreises Disibodenberg. Es sei das erste Gala-Konzert nach dem Lockdown und zugleich ein Startsignal für weitere Kulturveranstaltungen, erklärte sie und dankte einem ganz starken Vorstands- und Helferteam.
Völlig relaxt und froh gelaunt schminkte sich die Künstlerin Silke Aichhorn für ihren Auftritt am Tourbus. Dieses perfekt organisierte Konzert auf solch historisch bedeutsamem Boden sei für sie ein besonderes Geschenk. Und sie ließ unter lautem Beifall ihren Gefühlen freien Lauf – 37 Konzerte seien abgesagt worden, dieser eine Fixpunkt im Kalender auf dem Disibodenberg habe ihr Halt und Zuversicht vermittelt.
Bei den ersten gezupften Klängen hätte man eine Stecknadel im Gras fallen hören. Silke Aichhorn räumte als Konzertführerin gründlich mit Klischees wie „lange Haare und ein Kleid“ auf. Diese Harfe sei, anders als das irische Pendant, wesentlich komplizierter und müsse kraftvoll und intelligent mit Händen und Füßen gespielt werden – „was nur Frauen können“, scherzte sie. Seit ihrem Studium am Conservatoire de musique Lausanne zählt die vielseitige Kammermusikerin mit einem Programm von Barock bis Impressionismus zur europäischen Elite an der Harfe.
Zur Einstimmung und dem Ort angemessen erklang eine irische Volksweise, der ein Kanon von Johann Pachelbel aus dem Barock folgte. Beethovens Künstlerlied „Adelaide“ und „The Last Rose of Summer“, ein Lieblingslied der Künstlerin, standen für eine repräsentative Werkeauswahl. Die ganze Virtuosität und Klangfülle der Harfe kam in dem großartigen Orchesterwerk „Die Moldau“ voll zur Geltung, wo in acht Rhythmen und Sequenzen alle Facetten berührend und fesselnd von ruhig-zart und romantisch bis melancholisch oder aufbrausend und mystisch-sphärisch zur Geltung kamen.
Die Corona-Zeit habe Aichhorn genutzt, um ganz seltene Partituren zu überarbeiten, erzählte sie – nach der Pause zählten ein Walzer von Harfenist Kurt Gillmann ebenso dazu wie die Geschichte des walisischen Barden „David of the White Rock“, der auf dem Sterbelager nach der Harfe verlangte – und dessen Spiel 3500 Jahre vor Christi belegt ist. Unberührte Natur, die Fundamente dicker Kirchenmauern und eine intakte Flora auf der Ruinenanlage eines Klosters aus romanischer und gotischer Zeit regten bei Zuhörern wie der Solistin die Vorstellungskraft an. Um Harfenklängen aus vier Jahrhunderten zu lauschen und die geschundene Corona-Seele baumeln zu lassen, schien der Disibodenberg geradezu prädestiniert.
Zahlreiche Gassenhauer und Zugaben, darunter „Harping on a Harp“ von Robert Maxwell, das bairische Volksmusikstück „Staad“ oder „Air“ von Bach aus der Suite No. 3 bildeten ein kontrastreiches und homogenes Klangerlebnis der Harfenmusik ab: „Es hat einfach alles gepasst“, resümierte ein sichtlich zufriedener Werner Keym, der das Konzert in die Wege geleitet hatte. Das Wetter habe mitgespielt, die Tonanlage funktionierte tadellos, eine prächtige Publikumskulisse an einem lauen Sommerabend und die atemberaubende Kulturstätte auf dem Disibodenberg, wo vor 900 Jahren die mächtige Abteikirche stand, waren stimmig. Nach zwei Auftritten Aichhorns am Glan knüpfte Keym Kontakt zu der Ausnahmekünstlerin aus Traunstein – Aichhorn kam von dreitägigen Rundfunkaufnahmen aus Kaiserslautern und hatte gestern einen Folgetermin. Bettina Dickes dankte ihr „auf dem Berg der starken Frauen: Schöner hat niemand den Disibodenberg zum Klingen gebracht“, lobte sie unter tosendem Applaus.
40 Kilogramm, 2000 Einzelteile und 1,5 Tonnen Zugkraft
Wie eine taffe und erfahrene Entertainerin und mit genialer Spielfreude fesselte Silke Aichhorn ihre Zuhörer und stellte ihr fünftes Instrumentenunikat als moderne Doppelpedalharfe vor: „Sie wiegt 40 Kilo, und jedes Kilo kostet 925 Euro. Wie ein Auto verlieren Harfe und Harfenistin täglich an Wert und Spannkraft“, sagte sie verschmitzt lächelnd. Der reine Holzrahmen des Instruments müsse einer Zugkraft von 1,5 Tonnen standhalten. Sieben Fußpedale mit jeweils drei verschiedenen Positionen rasten ein, im Harfenhals seien 2000 Einzelteile verbaut. „Wir müssen fühlen, hören und sehen, was wir machen, deshalb sind bunte Seiten auf der Harfe“, erklärte sie. Das Instrument ist aus Fichte, die äußere Schicht besteht aus Vogelaugenahorn.

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