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Die Stär­ke ein­zel­ner Blät­ter in der Ge­mein­schaft - Schmuck­de­si­gne­rin Car­men Hau­ser stellt in­ter­na­tio­nal aus
Walter Jung (Admin)
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Die Stär­ke ein­zel­ner Blät­ter in der Ge­mein­schaft - Schmuck­de­si­gne­rin Car­men Hau­ser stellt in­ter­na­tio­nal aus

Artikel von Wilhelm Meyer - Oeffentlicher Anzeiger 21.11.2019

Die Odernheimer Künstlerin Carmen Hauser (rechts) stellt ihre Schmuckstücke in Nijmwegen aus. 11 000 mal Efeu­laub bil­den ganz be­son­de­res Stück Odern­heim.

Be­ruf­lich dürf­te sich die Odern­hei­mer Schmuck­de­si­gne­rin Car­men Hau­ser in Hol­land zu Hau­se füh­len. Zu­min­dest in Ni­jm­we­gen an der Adres­se „La­ge Markt 3“. Dort be­fin­det sich die Ga­le­rie Mar­zee. Der Platz ist ei­ne der ers­ten Adres­sen für zeit­ge­nös­si­schen Schmuck in den Nie­der­lan­den und ei­ne der be­deu­tends­ten Schmuck­ga­le­ri­en.
Nach­dem Car­men Hau­ser 2006 für ih­re Di­plom­ar­beit mit dem Mar­zee Gra­dua­ti­on Pri­ze aus­ge­zeich­net wur­de, ar­bei­tet die in Odern­heim le­ben­de Schmuck­künst­le­rin fest mit die­ser nam­haf­ten Ga­le­rie zu­sam­men. „Sie ist es, die mich schon seit mei­ner Stu­di­en­zeit auf mei­nem künst­le­ri­schem Weg be­glei­tet und die Mög­lich­keit er­öff­net hat, mei­ne Ar­beit ei­nem brei­ten Pu­bli­kum von Samm­lern und Schmuck­lieb­ha­bern zu prä­sen­tie­ren“, er­zählt sie. Hin­zu kom­me die Mög­lich­keit, mit der Ga­le­rie Mar­zee re­gel­mä­ßig auf den be­deu­tends­ten Kunst­mes­sen welt­weit ver­tre­ten zu sein.
Zu­dem er­hal­ten die Künst­ler der Ga­le­rie die Mög­lich­keit, un­ge­fähr al­le zwei Jah­re ih­re ei­ge­nen Ar­bei­ten ei­nem in­ter­na­tio­na­len Pu­bli­kum in der Ga­le­rie zu prä­sen­tie­ren. Für Hau­sers Schmuck­stü­cke läuft ei­ne sol­che Schau seit An­fang No­vem­ber – noch bis zum 8. Ja­nu­ar 2020 sind ih­re Krea­tio­nen un­ter dem Ti­tel „Blatt­werk – new je­wel­le­ry“ in der Ga­le­rie zu ent­de­cken. Doch selbst­ver­ständ­lich zeigt sie nicht ein­fach nur, was so ent­stan­den ist. Für Car­men Hau­ser ist dies ei­ne Aus­stel­lung, in der sie ih­ren Schaf­fens­weg prä­sen­tiert. „Über ein hal­bes Jahr“, schaut sie zu­rück, „ha­be ich auf die­ses Ziel hin­ge­ar­bei­tet und mei­ne Ar­bei­ten aus Na­tur­ma­te­ria­li­en wei­ter­ent­wi­ckelt.“
Ent­stan­den ist die­se neue Wer­k­rei­he „Blatt­werk“ aus ge­trock­ne­ten Blät­tern und Garn. 16 Stü­cke sind es am En­de, die jetzt auf acht Ti­schen in Ni­jm­we­gen ge­zeigt wer­den. Be­geis­te­rung und gu­te Ge­sprä­che, so fasst Hau­ser den Ab­lauf der Ver­nis­sa­ge zu­sam­men. „Die Re­so­nanz auf mei­ne neu­en Ar­bei­ten war groß­ar­tig. Ich konn­te den Abend wirk­lich ge­nie­ßen.“ Für sie ist nun der Stress der ver­gan­ge­nen Mo­na­te ab­ge­fal­len. In Ni­jm­we­gen sind nun Arm­rei­fen, Ket­ten und Ohr­rin­ge aus Tau­sen­den von in Odern­heims Um­ge­bung ge­sam­mel­ten Blät­tern ent­stan­den: Ahorn, Gink­go oder Efeu wur­den ge­sam­melt, in Form ge­stanzt, auf­ge­fä­delt und zu Schmuck­stü­cken ge­formt.
„Auf den ers­ten Blick scheint es ein­fach“, schil­dert Hau­ser, „das ist es aber nicht.“ Nicht das Er­geb­nis, son­dern der Ar­beits­pro­zess ist wich­tig. „Zeit, Dis­zi­plin, Kon­zen­tra­ti­on, Stil­le und Ge­dan­ken über den Sinn des Tuns ar­bei­ten im­mer wie­der zu­sam­men. Es ist ein me­di­ta­ti­ver Pro­zess. Und am En­de lie­gen die Ob­jek­te vor mir und wir­ken“, be­rich­tet sie.
Es sei­en sehr stil­le Wer­ke, die nicht viel Wor­te be­nö­ti­gen, fasst Hau­ser ih­ren Ein­druck zu­sam­men. „Was mich fes­selt, ist die Stär­ke der ein­zel­nen Blät­ter in ih­rer Ge­mein­schaft.“ Es ent­ste­he ein Ma­te­ri­al, wel­ches un­ge­wohnt sei. „Blät­ter sind für un­ser Au­ge zwei­di­men­sio­nal“, be­schreibt Hau­ser. Durch die en­ge Rei­hung der ein­zel­nen Blät­ter ent­ste­hen wei­che, tex­ti­le, leich­te, drei­di­men­sio­na­le Ob­jek­te. „Ich bin sel­ber er­staunt, wel­che Aus­drucks­kraft die ein­zel­nen Stü­cke ha­ben“, schil­dert die Künst­le­rin.
Hau­ser be­schreibt, wie der tech­ni­sche Pro­zess der Her­stel­lung aus­sieht: „Vor ei­ni­gen Jah­ren be­kam ich ei­ne al­te Fuß­stanz­pres­se für Schmuck­hohl­tei­le aus Idar-Ober­stein an­ge­bo­ten. Da ich nicht wi­der­ste­hen konn­te, nahm ich sie mit.“ Da das Blät­ter­aus­stan­zen von Hand sehr müh­sam ist, ha­be sie die Ma­schi­ne um­ge­baut. „Mit Fuß­he­bel und an­ge­fer­tig­tem Stanz­auf­satz ging die Ar­beit leich­ter von der Hand be­zie­hungs­wei­se vom Fuß“, er­klärt Hau­ser. Sie ha­be die ein­zel­nen Blät­ter un­ter die Stanz­form ge­scho­ben und aus­ge­stanzt. Die tro­cke­nen Laub­blät­ter ha­be sie ei­nen Tag in Was­ser ein­ge­weicht, da­mit sie wie­der ei­ne Tex­tur auf­wie­sen und nicht bra­chen. Der Trock­nungs­pro­zess be­gann nach dem Auf­fä­deln und dau­er­te Ta­ge und Wo­chen. Da­bei muss­te sie den Schrump­fungs­pro­zess im Au­ge be­hal­ten. „Erst dann wird das Schmuck­stück ge­schlos­sen, durch Schlei­fen in Form ge­bracht und mit Ver­schluss oder Bro­schie­rung ver­se­hen“, sagt sie.
Hin­ter­grund
Car­men Hau­ser, ge­bür­ti­ge Wies­ba­de­ne­rin, lebt und ar­bei­tet seit ei­ni­gen Jah­ren in Odern­heim. Gold­schmie­de­leh­re, Di­plom und Mas­ter hat sie in Idar-Ober­stein ab­sol­viert. Ih­re Ar­bei­ten wur­den mit zahl­rei­chen Prei­sen, un­ter an­de­rem mit dem Staats­preis für das Kunst­hand­werk Rhein­land-Pfalz, der wich­tigs­ten Aus­zeich­nung des Lan­des in die­sem Be­reich, aus­ge­zeich­net. Ih­re Ar­bei­ten fin­den sich in pri­va­ten und öf­fent­li­chen Samm­lun­gen so­wie in Mu­se­en in Deutsch­land, Frank­reich, Hol­land, der Schweiz und Ame­ri­ka.

Fotos: Galerie Marzee

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