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Walter Jung (Admin)
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Wie man junge Leute im Dorf hält

Artikel des Oeffentlchen Anzeigers vom 19.3.219

Wie man junge Leute im Dorf hält

Experte empfiehlt: Mittelzentren müssen entsprechende Angebote schaffen

Von Florian Schlecht und Carsten Zillmann

 Man kann junge Leute im Dorf halten, muss aber etwas dafür tun. Das hat Harald Simons von der Forschungsagentur Empirica bei einer Kommunaltagung in Bitburg gesagt. Der Kommunalexperte, der für Rheinland-Pfalz mit einer Studie zu „Haltefaktoren für den ländlichen Raum“ auf der Zielgeraden ist, widersprach damit der Meinung, dass junge Dorfbewohner vor allem wegen Arbeit oder Uni in sogenannte Schwarmstädte ziehen, zu denen in Rheinland-Pfalz Koblenz, Mainz und Trier zählen. Der ländliche Raum kann Abwanderungen abmildern – wenn mittelgroße und kleine Zentren mehr Angebote für junge Menschen aus umliegenden Dörfern schaffen.

Ein Trend ist laut Simons, dass die meisten jungen Leute nur ein, zwei Stunden von ihrem Heimatort entfernt in Städten mit ausreichenden Angeboten wohnen und dafür auch bereit sind, zu einem Arbeitsplatz im ländlichen Raum eine Stunde lang im ICE zu pendeln. Das sei etwa bei Pendlern von Köln nach Montabaur erkennbar.

Doch der Umzug in Großstädte lässt sich stoppen: Simons verwies auf kleinere Grundzentren, in die trotz ländlich geprägter Strukturen immer mehr junge Menschen ziehen, weil dort Angebote für sie geschaffen werden – etwa ein stadtnahes Schwimmbad oder Mietwohnungen für junge Leute. Er verwies auch auf ein französisches Dorf, in dem samstags im Gegensatz zu vielen deutschen Gemeinden nahezu alle Geschäfte und Ämter offen sind, um Pässe zu beantragen oder das Auto anzumelden. Dort blühe das Leben.

Simons warnte: „Wenn es heißt, das Umland würde durch stärkere Kreisstädte geschwächt werden, ist das Unsinn. Als Alternative ziehen junge Leute in Schwarmstädte und sind dann ganz weg aus der Region. Wenn man alle stützt, hat man am Ende nur Halbtote.“

Innenminister Roger Lewentz (SPD) kündigte an, das Dorfleben in Rheinland-Pfalz weiter ankurbeln zu wollen. Das Land arbeitet demnach daran, spezielle Angebotsgemeinden zu fördern, in denen sich etwa Supermärkte ansiedeln könnten. „Das kann auch Gemeinden von 1500, 2000 Einwohnern gelingen“, sagte Lewentz. Das Umland könne davon profitieren. Ein Modell, das erfolgreich im Eifelkreis Bitburg-Prüm läuft, will der Minister ausweiten: Beim „Zukunftscheck Dorf“ hinterfragen Bürger, wie sie ihre Gemeinden wappnen können, in denen die Einwohner immer älter werden und sich Leerstände häufen.

Im Eifelkreis bringen sich 170 von 234 Gemeinden ein. In Dörfern sind dabei Projekte entstanden wie ein wöchentlicher Markt mit regionalen Waren, ein Mittagstisch oder ein freiwilliger Besuchsdienst, damit Senioren nicht vereinsamen. Mit 121 500 Euro fördert das Land künftig eine am Kreis angesiedelte Beratungsstelle, an die sich alle Kommunen wenden können. Auch Cochem-Zell bringt sich bereits beim Dorfcheck ein, der Rhein-Lahn-Kreis hat Interesse angemeldet, berichtete Lewentz.

Das Land will auch Kommunen beraten, die an Dorfläden denken. Eine Agentur hilft Betreibern bei Fragen – von der Steuer bis zur Kühltheke. Ankurbeln will das Land auch Dorfbüros, durch die Einwohner lange Fahrten in Städte vermeiden. In einem Wettbewerb will das Innenministerium Kommunen animieren, sich für solche Büros zu bewerben. Bis Ende 2021 sollen neun Dorfbüros entstehen, von denen jedes einzelne mit bis zu 100 000 Euro gefördert wird.

Die Zukunftsperspektiven für Dörfer sind also da. Doch beim Geld müssen die Kommunen besser unterstützt werden, fordert die CDU Rheinland-Pfalz. Mehr als 850 Gemeinden haben 2018 keinen ausgeglichenen Haushalt aufgestellt – 208 mehr als ein Jahr zuvor. Die SPD hingegen beharrt darauf, viel für die kommunalen Finanzen getan zu haben.

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