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Polnische Sängerin Natalia Mateo  bot faszinierenden Konzertabend
Walter Jung (Admin)
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Polnische Sängerin Natalia Mateo bot faszinierenden Konzertabend

Artikel von Wilhelm Meyer im Oeffentlichen Anzeiger vom 26.2.2019

Polnische Sängerin Natalia Mateo bot faszinierenden Konzertabend

Echo-Preisträgerin gastierte mit Band in Odernheim

Einen Auftritt der Echo-Preisträgerin Natalia Mateo und ihrer Band erlebten Musikfreunde in der Odernheimer Bannmühle. Man gewöhnt sich daran, dass die Kulturinitiative Odernheim (KinO) immer wieder auch international bekannte Künstler in die Turbinenhalle der Bannmühle präsentiert zu holen. Ganz unbekannt ist Mateo an der Nahe jedoch nicht: Die in Warschau geborene, in Berlin lebende Sängerin kam 2016 zu den 21. Jazztagen nach Idar-Oberstein.

Kaum anzunehmen zwar, dass Hildegard von Bingen im Schatten des Disibodenbergs einen Anstoß gegeben hat, doch ein schlechter Platz war es sicher nicht, mit einem Stück zu beginnen, das sich seinen Text von William Blake geliehen hat. Der englische Dichter aus dem 18. Jahrhundert war ein Visionär, der von zahlreichen Musikern der 1960er-Jahre geschätzt wurde. Als Gang durch die „Pforten der Wahrnehmung“ könnte man einen solchen Auftakt verstehen. Unendlichkeit im Augenblick beschreibt Blakes Gedicht „Eternity“, eine Vorstellung, die man sich wie Blake von Schmetterlingen, aber auch von Musik selbst machen kann.

Als wolle sie auch tauben Menschen Gefühle nahebringen, die sie mit ihrer Musik ausdrückt, sind die Hände von Natalia Mateo immer in Bewegung, winden sich, ziehen sich zurück, erklimmen Höhen und fallen ab, als habe sie plötzliche Trauer erschüttert. Auch wer nichts hört, kann so erahnen, wie es sich anhören müsste, folgt er dem Tanz der Hände der Sängerin. Und denen, die Mateos Musik hören, ist es eine Hilfe, den vielschichtigen Nuancen zu folgen, die die Musik der Band zu bieten hat.

Vielfältig sind die Quellen für ihre Musik: amerikanischer Jazz, Blues, Pop, aber auch Literatur von François Villon oder William Blake oder etwa Komponisten und Sänger wie Joni Mitchell oder Amy Macdonald. Vor allem aber ist die Liedtradition ihrer polnischen Heimat eine Wurzel der eigenwilligen Musikerin. Auch in die aktuelle politische Diskussion mischt sich Mateo ein. „Eksplozja Paranoja”, eine vielschichtige Zerstörung musikalischer Harmonie, zeigt Züge, die ohne Weiteres auf die Polens politische Situation zu beziehen sein dürften. Nicht weit davon entfernt ist ihre Version von Rockfords „Somebody's Watching Me“ – Paranoia oder begründete Furcht? Es war das einzige Poplied des Abends, das in seiner Struktur weitgehend erhalten blieb. Andere wie das Whitney-Houston-Sück „I Will Always Love You“, bürstete die Band derart gegen den Strich, dass er eben noch aus den Textzeilen zu rekonstruieren war, wie wenn ein fremder Text einem anderen Lied unterlegt wird.

An ihrer offenkundig tiefen Liebe zu Polen ändert die aktuelle politische Verstörung sicher nichts. Das zeigte sich an ihrer einfühlsamen Interpretation des Volksliedes „Bandoska“. Es handelt, wie sie kurz erläuterte, von wandernden Farmarbeiterinnen. Sicher nicht zufällig ist in Mateos Version die Ähnlichkeit mit Billie Holidays „Strange Fruit“, von dem sie ebenfalls eine Interpretation aufgenommen hat.

Hervorragend zeigten sich ebenfalls die Mitglieder der Band, die sich keineswegs als profilierte Begleitband präsentierten. Durchaus konnten Simon Grote, Dany Ahmad, Christopher Bolte und Fabian Ristau in manchen Stücken eine unbändige Spielfreude an den Tag legen. Derweil übernahm Mateo, unterstützt von der Vervielfachung ihrer Stimme durch den oft genutzten Looper, mit Stimmmakrobatik, Schnalzen oder Scat-Gesang auch noch einen Teil des Rhythmusprogramms.

Erst mit einigen Zugaben ging ein faszinierender Abend in der Bannmühle seinem Ende entgegen. Ein polnisches Kinderlied, dessen Text Obszönes beinhalten sollte, und ein Gutenachtlied beendeten ein Konzert, das mit zunehmender Dauer eine zu immer größerer Form und Intensität findende Sängerin präsentierte.

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